Überraschungssieg der Vierten gegen Bad Steben/Reinersreuth

Wir gingen als klare Außenseiter in den Mannschaftskampf – schließlich hatte der Gegner zuvor bereits unsere Dritte bezwungen. Umso elektrisierender war die Stimmung: „Heute wäre ein Punkt schon stark“ war der Tenor, aber innerlich spürte man trotzdem dieses leise Vielleicht geht ja was…

Der Auftakt kam dann gleich unerwartet: Am ersten Brett einigten sich die beiden stärksten Spieler – zur Verwunderung vieler – erstaunlich schnell auf Remis. Kaum hatte man sich daran gewöhnt, nahm der Kampf richtig Fahrt auf. Am zweiten Brett zeigte der alte Haudegen Klaus erst Nerven: Den entscheidenden Fehler seines Gegners sah er zunächst nicht einmal, obwohl dieser selbst ankündigte: „In fünf Zügen ist das matt.“ Doch nach kurzer, konzentrierter Denkpause klickte es – und dann verwandelte er die Partie eiskalt zum Sieg. Die Freude darüber war ihm ins Gesicht geschrieben.

Am dritten Brett brachte Ingo den nächsten Punkt nach Hause – nicht ganz ohne Umwege, aber dafür umso wirkungsvoller: Nachdem sein Gegner nach der Rochade mit f7–f5 den Läufer vertreiben wollte, nutzte er die entstehenden Schwächen konsequent aus. Spätestens da war klar: Das wird heute kein Spaziergang – für niemanden.

Dann kam die harte Phase. An den Brettern 6 und 7 mussten wir zwei Niederlagen hinnehmen. Leopold stand gegen einen deutlich höher bewerteten Gegner lange auf Remis-Kurs – wollte aber unbedingt mehr, riskierte alles und bekam am Ende leider gar nichts. Henri verteidigte sich nach Kräften und hielt lange dagegen, wurde schließlich aber überspielt. Trotzdem: Für unsere beiden U14-Spieler waren das wertvolle, wichtige Erfahrungen, die man nicht am Ergebnis misst.

Als schließlich auch das vierte Brett nach langem Kampf verloren ging, stand es 3,5 : 2,5 gegen uns – und die Luft knisterte. Zwei Partien liefen noch, und beide waren „Mannschaftskampf pur“. Auf dem letzten Brett hatte Norbert am Ende einen Springer mehr und die bessere Bauernstruktur. Weil aber völlig offen war, was am fünften Brett passiert, wurde erst einmal weitergerungen – bis klar wurde, dass dieser Vorteil nicht mehr zu kippen ist. Dann gab der Gegner auf: Ausgleich!

Und so fiel die Entscheidung tatsächlich am Brett 5. Dort lieferte Tobias eine Partie, wie man sie in Berichten gerne übertreibt – nur dass sie diesmal wirklich so war: Er gab bewusst eine Leichtfigur, um dafür eine bessere Bauernstruktur und die Chance auf den Durchbruch zu bekommen. Mehrfach ging es auf und ab, bis er tatsächlich den entscheidenden Bauern zur Dame durchdrückte – und am Ende seinen über 500 DWZ stärkeren Gegner bezwang. Genau dieser Sieg drehte den ganzen Kampf.

Endstand: 4,5 : 3,5 – Überraschungssieg für unsere Vierte.
Und plötzlich ist die Saison wieder richtig spannend: Am vorletzten Spieltag geht es gegen Oberkotzau, während unsere Dritte auf den Tabellenführer trifft. Der Abstand zur Dritten beträgt nur einen Punkt – und nach diesem Coup schaut niemand mehr entspannt auf die Paarungen.

Autor: Ingo Koch