2017 – 2. Schachbundesliga

Bindlach erobert die „Frankenkrone“

Am vergangenen Wochenende endete die Schachsaison in der 2. Bundesliga Ost. Die aktuelle Saison hatte sich mehr und mehr zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft entwickelt, an der Spitze thronten BCA Augsburg, ESV Nickelhütte Aue und der Erfurter SK. Untereinander hatten sich die drei Mannschaften jeweils mit einem Unentschieden getrennt, während lediglich die Erfurter gegen das Verfolgerfeld einen Mannschaftspunkt abgegeben hatten. Dieses eine Unentschieden war der Grund, warum sich nur Aue und Augsburg berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg in die 1. Bundesliga machen durften.

Zum abschließenden Doppelspieltag trafen sich die Auer zusammen mit ihren Verfolgern (SC Erlangen auf Platz 4, SC Forchheim auf Platz 5 und TSV Bindlach-Aktionär auf Platz 6) im Erlanger Vorort Uttenreuth. Da die Bindlacher einen Mannschaftspunkt Rückstand auf die anderen beiden fränkischen Teams aufwiesen, gab Mannschaftsführer Jan Krensing die Parole aus, dass zumindest ein Unentschieden erforderlich sei, um den Klassenerhalt höchstwahrscheinlich zu erreichen; zwei Mannschaftspunkte seien der garantierte Klassenerhalt. Denn es bestand die Gefahr, dass noch zwei Mannschaften die Bindlacher überholen. Die Plätze 8 bis 10 bedeuten den Abstieg in die Oberliga.

Für den Samstag sah der Spielplan das Duell zwischen dem TSV Bindlach und dem Schachclub Erlangen 48/88, dem letztjährigen Vizemeister der Oberliga Bayern, vor. Die Bindlacher bewahrten trotz angespannter Tabellensituation kühle Köpfe und gerieten in keiner der acht Partien in Verlustgefahr. An den vorderen drei Brettern hatten sich die Bindlacher leichte Vorteile erarbeitet. Doch dank der umsichtigen Verteidigung der Erlanger mussten Martin Petr (Weiß, Brett 1), Tadeas Kriebel (Schwarz, Brett 2) und Petr Neuman (W, 3) am Ende der Punkteteilung zustimmen. Pavel Cechs (S, 4) Partie verlief von Anfang bis Ende in ausgeglichenen Bahnen. Gavin Wall (W, 5) gewann in überzeugender Manier, während Jan Krensing (S, 6) und Felix Stips (W, 7) von Fehlern in gegnerischer Zeitnot profitierten. Zusammen mit dem Remis von Gerald Löw (S, 8) ergab sich ein souveräner 5,5-2,5-Sieg, der gleichzeitig alle Abstiegssorgen beendete.

Im zweiten Spiel des Wochenendes durfte sich der TSV Bindlach-Aktionär am Sonntag mit dem Schachclub Forchheim messen. Viele Partien waren in diesem Oberfranken-Derby von übergroßer Vorsicht geprägt, sodass in den Duellen von Petr (S, 1), Kriebel (W, 2), Neuman (S, 3), Cech (W, 4) und Wall (S, 5) bereits in der Eröffnungsphase bzw. im frühen Mittelspiel die Friedenspfeifen geraucht wurden. In den verbleibenden drei Spielen offenbarten sich die leichten Vorteile der weißen Figuren. Genau wie bei anderen Sportarten ist es auch beim Schach von Vorteil, den „Aufschlag“ zu haben. Durchschnittlich enden 40% der Partien mit einem Unentschieden, in 35% gewinnt Weiß, in 25% gewinnt Schwarz. Während Krensing (W, 6) bei einem kurzen Scharmützel rund um den 25. Zug sein leichtes Druckspiel aus der Hand gab, verteidigte Stips (S, 7) seine Position umsichtig. Beim Stand von 3,5-3,5 richteten sich nun alle Blicke auf die Partie von Löw (W, 8) und Bartsch. Mit einer Qualität mehr verwertete Löw seinen Vorteil gegen den Forchheimer Ehrenvorsitzenden. Mit diesem 4,5-3,5-Erfolg durchbrachen die Bindlacher eine fünfjährige Durststrecke, in der sie das prestigeträchtige Oberfranken-Derby nicht gewinnen konnten. Somit stehen für die Bindlacher am Saisonende 10-8 Mannschaftpunkte (fünf Siege bei vier Niederlagen) zu Buche, womit sie im Sinne der Zwei-Klassen-Gesellschaft den klaren Sieg in der zweiten Klasse errangen. Nach der Sommerpause sieht der TSV Bindlach-Aktionär der achtzehnten aufeinanderfolgenden Saison in der 2. Bundesliga entgegen, die am 21. Oktober beginnen wird.

Bei 16-2 Mannschaftspunkten musste die höhere Anzahl an Brettpunkten über die Meisterschaft entscheiden. Schlussendlich setzte sich der BCA Augsburg mit 49,5 Brettpunkten gegen den ESV Nickelhütte Aue mit 47,0 Brettpunkten durch. Die Meisterschaft der 2. Bundesliga Ost geht mit dem Anrecht einher, in der kommenden Saison in der 1. Bundesliga antreten zu dürfen. Eine gewisse Verwunderung dürfte der Vereinsname des Meisters hervorrufen, denn die Augsburger traten bis zum Jahreswechsel als SK 1908 Göggingen an. Mit Zustimmung des Deutschen Schachbundes wurde zum 01.01.2017 die Spielberechtigung samt Spielern an den neu gegründeten BCA Augsburg übertragen. Den Gang in die Drittklassigkeit treten SK König Plauen (6-10 Mannschaftspunkte), SK Passau (4-12 MP) und SF Anderssen Bad Mergentheim (3-13 MP) an.


Bindlach gegen Erlangen und Forchheim

Am vergangenen Wochenende hat sich die Gemeinde Bindlach abermals als Eldorado des oberfränkischen Schachsports erwiesen. Im Bindlacher Rathaus trafen sich am Samstag und Sonntag die Mannschaften Nickelhütte Aue, SC Erlangen, SC Forchheim und natürlich der gastgebende TSV Bindlach-Aktionär zu einem Doppelspieltag der 2. Bundesliga Ost. Für die Auer und die Bindlacher standen sogar drei Mannschaftskämpfe auf dem Programm, weil sich beide Vereine darauf geeinigt hatten, das für den 10. Dezember angesetzte Duell vorzuverlegen. Somit wurde die Schachsaison am Freitag um 17 Uhr mit dem Duell gegen den Erzgebirgischen Schachverein Nickelhütte Aue eröffnet, wobei die Auswärtsmannschaft ihrer Favoritenrolle gerecht wurde und sich verdient mit 5-3 durchsetzen konnte. Einzig Tadeas Kriebel (Weiß, Brett 2) gelang es, seine Partie zu gewinnen. Dem gegenüber standen drei Niederlagen von Petr Neuman (Schwarz, Brett 3), Felix Stips (W, 6) und Jan Krensing (S, 7). In den Spielen von Martin Petr (S, 1) und Pavel Cech (W, 4) wurde der Punkt geteilt. Gleiches galt für die Partie des Bindlacher Neuzugangs, Thomas Pähtz (S, 5), sowie für die Partie von Gerald Löw (W, 8) aus Ramsenthal.

Für den Samstag sah der Spielplan das Duell zwischen dem TSV Bindlach und dem Schachclub Erlangen 48/88 vor, der den Ausfall von Großmeisterin Hanna Marie Klek zu beklagen hatte. Ohne Erlangens Spitzenspielerin wurde die Favoritenrolle den Bindlachern zuteil, da sie an jedem der acht Bretter eine höhere ELO-Zahl aufwiesen. Dieser Effekt wurde dadurch verstärkt, dass Gavin Wall den Platz von Löw einnahm. Wall konnte am Vortag aus beruflichen Gründen nicht mit von der Partie sein und erreichte Bindlach erst gegen Mitternacht. Der eindeutige Verlauf des Wettkampfs war dennoch überraschend. Nach den Siegen von Petr (S, 1), Cech (W, 4), Wall (S, 5) und Krensing (W, 8) stand es nach vier Stunden Spieldauer bereits 4-0 für den TSV Bindlach. Die übrigen vier Spiele endete allesamt remis, wobei in der Partie von Kriebel und Hilverda mehr als 110 Züge und über sechs Stunden gerungen wurde, bis schlussendlich nur noch beide Könige auf dem Schachbrett verblieben waren.

Im dritten Spiel des Wochenendes durfte sich der TSV Bindlach-Aktionär am Sonntag mit dem Schachclub Forchheim messen. Bei diesem Aufeinandertreffen zeigte sich abermals der Vorteil der weißen Steine. Genau wie bei anderen Sportarten ist es auch beim Schach von Vorteil, den „Aufschlag“ zu haben. Durchschnittlich enden 40% der Partien mit einem Unentschieden, in 35% gewinnt Weiß, in 25% gewinnt Schwarz. In diesem Fall konnten Petr (W, 1), Neuman (W, 3) und Wall (W, 5) ihren Anzugsvorteil nutzen, lediglich Stips (W, 7) musste sich mit einem Remis zufrieden geben. Die vier Schwarzpartien endeten im Unentschieden, sodass die Heimmannschaft einen 5,5-2,5-Sieg davontrug.

In den parallel ausgetragenen Spielen konnte Nickelhütte Aue jeweils mit 6,5-1,5 gegen den SC Forchheim und gegen den SC Erlangen gewinnen. Die zweite Mannschaft des TSV Bindlach-Aktionär verlor mit 1,5-6,5 in Kareth-Lappersdorf (Landkreis Regensburg). In drei Wochen werden die Bindlacher Schach-Cracks nach Aue reisen, um gegen die Mannschaften aus Augsburg und Weilheim anzutreten. Das Spiel gegen die Mannschaft vom Starnberger See wird ein ganz besonderes werden, weil der Schachklub Weilheim zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte in der 2. Bundesliga vertreten ist. Zwei spannende Paarungen, denn Augsburg und Weilheim rangieren in der aktuellen Tabelle direkt hinter den Bindlachern auf den Plätzen 3 und 4.


Bindlach gegen Bad Mergentheim und Augsburg

Mit 4-6 Mannschaftspunkten und Tabellenplatz 6 standen dem TSV Bindlach-Aktionär am vergangenen Wochenende zwei richtungsweisende Spiele in der 2. Schach-Bundesliga bevor. Denn zwei Niederlagen hätten die Bindlacher tief in den Abstiegsstrudel ziehen können, zwei Siege hingegen hätten sie von einer Platzierung unter den TOP-3 träumen lassen. Der Doppelspieltag fand in Bad Mergentheim, 40 km südlich von Würzburg, statt. Obwohl Bad Mergentheim historisch gesehen zu Württemberg zählt, gehören die Schachfreunde „Anderssen“ Bad Mergentheim zum Badischen Schachverband, nicht zum Schachverband Württemberg. Der Vereinsname ist eine Hommage an Adolf Anderssen, einen der stärksten Schachspieler des 19. Jahrhunderts.
 
Für den Samstag sah der Spielplan das Duell zwischen dem TSV Bindlach und den gastgebenden Schachfreunden Bad Mergentheim vor. Die Heimmannschaft befand sich in einer prekären Situation, da sie im bisherigen Saisonverlauf mehrere Spiele sehr knapp verloren hatten. Somit war es nicht verwunderlich, dass die Bad Mergentheimer in Bestbesetzung antraten. Der Mannschaftskampf begann mit einem Kurzremis von Pavel Cech (Weiß, Brett 3). An den hinteren drei Brettern verliefen die Partien ebenfalls in ruhigen Bahnen. Felix Stips (Schwarz, Brett 6) gab sein Comeback, nachdem er das vergangene Jahr in Südafrika verbracht hatte. Er erzielte ein solides Unentschieden. Die beiden Bayreuther Lokalmatadoren, Gerald Löw (W, 7) und Jürgen Delitzsch (S, 8), blicken auf sehr unterschiedliche Verläufe zurück: Während Löw von Beginn an in der Offensive war, musste sich Delitzsch größtenteils auf die Verteidigung beschränken. Schlussendlich endeten jedoch beide Partien mit einer Teilung des Punktes. Noch vor der Zeitnotphase gab es die erste Entscheidung. Mannschaftskapitän, Jan Krensing (W, 5), bezwang Fy Rakotomaharo, den besten Schachspieler Madagaskars. Kurze Zeit später verlor Gavin Wall (S, 4), so dass die Entscheidung an den Spitzenbrettern fallen musste. Petr Neuman (S, 2) lieferte sich ein atemberaubendes Duell mit Aleksandr Karpatschev, in dem der Russe mit großem Risiko spielte und zuerst eine Qualität und später noch eine Leichtfigur opferte. Doch auch während der Zeitnotphase behielt Neuman die Übersicht und brachte mit einem sehenswerten Damenopfer den Sieg unter Dach und Fach. Beim Stand von 4-3 hätte den Bindlachern ein Remis von Martin Petr (W, 1) genügt, um den Mannschaftssieg zu erringen. Doch Petrs Position war sehr vorteilhaft und er versuchte, mit geringem Risiko den Vorteil in einen Gewinn umzumünzen. Nach fünf Stunden Spielzeit musste Petr jedoch einsehen, dass ein Sieg außer Reichweite war. Sein Remisangebot besiegelte den wichtigen 4,5-3,5-Erfolg für den TSV Bindlach-Aktionär.
 
Im zweiten Spiel des Wochenendes musste sich der TSV Bindlach-Aktionär am Sonntag BCA Augsburg stellen, die in der Vorsaison noch als Schachklub Göggingen antraten. Mit fünf Großmeistern und drei Internationalen Meistern machten die Augsburger deutlich, dass sie unbedingt ihre Spitzenposition im Aufstiegsrennen verteidigen möchten. Bereits nach zwei Stunden Spieldauer deutete sich eine Bindlacher Niederlage an. Am Ende konnten lediglich Cech, Wall und Krensing Zählbares mitnehmen. Während Krensing und Cech in ihren Partien jeweils einen halben Punkt erzielten, konnte Wall einen Sieg davontragen. Im Parallelspiel bezwang ESV Nickelhütte Aue die Schachfreunde Bad Mergentheim mit 4,5-3,5, am Samstag trennten sich Augsburg und Aue im Liga-Spitzenspiel unentschieden.
 
Damit konnte die Bindlacher das Abstiegsgespenst nicht gänzlich verscheuchen. Aus den verbleibenden zwei Mannschaftskämpfen dürfte ein Unentschieden genügen, um den Klassenerhalt zu sichern. Am 18./19. März 2017 fahren die Bindlacher nach Erlangen, um sich in einem doppelten Franken-Derby mit den Teams aus Erlangen und Forchheim zu messen. Erlangen (als Viertplatzierter) und Forchheim (als Fünftplatzierter) stehen in der Tabelle direkt vor dem TSV Bindlach-Aktionär, was zum Saisonabschluss zwei hart umkämpfte Duelle erwarten lässt.